Ich gehöre nicht zu den Leuten, die Hyla verteidigen müssen. Ich habe keinen Sauger der Marke im Schrank, kenne niemanden in der Firma und hatte vor dem Beitrag von RTL ehrlich gesagt kaum eine Meinung zu dem Thema. Genau deshalb hat mich überrascht, wie sehr mich der Beitrag am Ende gestört hat – nicht wegen des Produkts, sondern wegen der Art, wie über das Produkt berichtet wurde. Was jetzt folgt, ist nichts weiter als mein persönlicher Eindruck als Zuschauer.
Schon nach den ersten Minuten hatte ich das Gefühl, dass die Richtung feststand. Der Beitrag lieferte wenig, woran ich mich als Zuschauer hätte festhalten können: kaum technische Erklärungen, kaum nachvollziehbare Zahlen, dafür viele Andeutungen. Wer am Ende verstanden haben will, wie so ein Wasserstaubsauger eigentlich funktioniert und warum er angeblich schlecht abschneidet, schaut in die Röhre. Hängen blieb bei mir vor allem die Stimmung, nicht die Substanz.
Besonders schwer tat ich mich mit der Familie, die im Beitrag zu Wort kam und das Gerät offenbar im Alltag nutzte. Immer wenn sie etwas Positives erzählte, schob sich die Stimme aus dem Off dazwischen und rückte das Gesagte zurecht. Mir kam es vor, als würde man den Leuten ihre eigene Erfahrung wieder aus der Hand nehmen: Ihr findet das gut, aber eigentlich solltet ihr es nicht. Dieses ständige Gegensteuern hat die Glaubwürdigkeit für mich nicht erhöht, sondern gesenkt, und zwar die des Beitrags, nicht die der Familie.
Dazu passte die Szene mit dem Reporter, der sich heimlich in eine Produktvorstellung setzt und mit versteckter Kamera filmt. Verdeckte Recherche hat ihre Berechtigung, keine Frage, aber sie ist ein scharfes Werkzeug für ernste Missstände. Bei einer Verkaufsveranstaltung für ein Haushaltsgerät wirkte dieser konspirative Aufwand auf mich vor allem nach einem Mittel, um Brisanz zu erzeugen, wo nicht viel Brisanz war.
Und dann ist da die Sache mit den anderen Geräten. In dem Vergleich trat, soweit ich es mitbekommen habe, auch ein weißer Sauger an, der spürbar schlechter abschnitt als der Hyla. Erwähnt wurde das so gut wie gar nicht. Wenn ein Beitrag wirklich an einem fairen Vergleich interessiert ist, dann gehört das schlechteste Ergebnis doch genauso auf den Tisch wie alles andere. Dass ausgerechnet dieser Punkt unter den Teppich fiel, während sich die volle Aufmerksamkeit auf Hyla richtete, hat bei mir den Eindruck verstärkt, dass das Ergebnis hier wichtiger war als die Vollständigkeit.
Am deutlichsten wurde das für mich bei der Bewertung selbst. Von der Familie, die das Gerät tatsächlich ausprobiert hat, bekam Hyla offenbar die meisten Punkte. Von RTL dagegen praktisch keine. Diese Lücke zwischen denen, die es benutzt haben, und denen, die darüber berichten, ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Sie muss nichts beweisen, aber sie wirft eine naheliegende Frage auf, wessen Urteil der Beitrag am Ende eigentlich transportiert.
Wenn ich alles zusammennehme, bleibt bei mir ein Verdacht, den ich nicht belegen, aber auch nicht abschütteln kann: Das war kein Test mit offenem Ausgang, das war ein Beitrag über Hyla, dem der Test als Bühne diente. Von der ersten bis zur letzten Minute wirkte das auf mich forciert, als sei die Geschichte fertig gewesen, bevor die Kamera lief, und müsse nur noch passend bebildert werden.
Vielleicht täusche ich mich. Vielleicht gibt es für jeden dieser Punkte eine gute Erklärung, die im fertigen Beitrag nur keinen Platz mehr fand. Aber genau daran misst sich für mich guter Journalismus: Er gibt mir das Material, um selbst zu urteilen, statt mir das Urteil schon fertig zu liefern. Bei diesem Beitrag hatte ich das Gegenteil im Gefühl, und das ist der Grund, warum er mich, bei aller Offenheit dem Thema gegenüber, nicht überzeugt hat.